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Digital People: Fünf Fragen, fünf Antworten. Folge 1: Prof. Gerd Gidion

Gerd Gidion

Gerd Gidion ist der wissenschaftliche Leiter des Zentrums für Mediales Lernen und Professor für Technikdidaktik am Institut für Berufspädagogik und Allgemeine Pädagogik am Karlsruher Institut für Technologie. Er antwortet in unserer Reihe "Digital People - Experten im Interview" auf fünf Fragen zur digitalen Entwicklung, zu (seinen) digitalen Impulsen und zu Trends.

 

1) Sie sind wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Mediales Lernen – welche digitalen Impulse und Wegmarken möchten Sie am KIT und in der Hochschullandschaft setzen?

Für das KIT liegt mir daran, dass sich technische Forschung und Innovation mit didaktischer Gestaltung verbindet. Wenn wir Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekte mit digitalen Mitteln einem größeren Publikum erschließen, sollten wir aber auch gleichzeitig zu offenen Konzepten stehen, die hochschulübergreifend angelegt sind und in denen Studien- und Prüfungsleistungen umfassend gegenseitig anerkannt werden. Ich unterstütze die Arbeit im Hochschulnetzwerk Digitalisierung der Lehre in Baden-Württemberg, das die Kooperationsbeziehungen intensiviert und sich durch die kompetente und engagierte Arbeit vieler Einzelpersonen aus ganz verschiedenen Hochschuleinrichtungen im Land auszeichnet.

 

2) Welche digitalen Trends (in der Lehre) finden Sie besonders spannend?

Die Menschen schaffen durch ihre Anwendung digitaler Medien vollkommen neue Bedingungen. Durch die digitale Erfassung der Nutzerdaten entsteht ein Reservoir an Informationen, das den Blick aus dem System heraus auf sich selbst ermöglicht. Dieses Wechselspiel digitaler Raum – reales Leben finde ich faszinierend und beunruhigend zugleich. Ich empfinde es als Herausforderung, den Zugriffen aus der von uns geschaffenen digitalen Welt souverän zu begegnen. Wie wir Menschen die durch die Digitalisierung entstandenen Möglichkeiten zur Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse nutzen und ob wir die Chance ergreifen, durch die Vernetzung voneinander zu lernen, dass entscheidet meiner Ansicht nach über die Zukunft der Digitalisierung.

 

3) Gibt es digitale Entwicklungen, die Sie eher kritisch bewerten?

Die digitale Entwicklung empfinde ich durchaus auch als kritisch, aber auch als unvermeidlich. Die Möglichkeiten der pädagogisch sinnvollen Mitgestaltung bewerte ich als positiv. So scheint es mir besonders reizvoll, dass die Lernhandlungen Studierender und Lehrender im digitalen System bereits in einem rechtlich einwandfreien Setting unglaublich differenziert erkannt, analysiert und diagnostiziert werden können. Dass die so möglichen Einblicke dennoch in grotesker Weise hinter denjenigen anderer Akteure im digitalen Raum hinterherhinken, die die rechtlichen Auflagen ignorieren oder umgehen, zeigt mir auch die Gefahren der Entwicklung. Ein digitales System, das meine Lebensaktivitäten erfasst, auswertet und Zugriffe auf mich optimiert –das möchte ich weder mir noch den Studierenden zumuten.

 

4) Welche Rolle spielt Digitalisierung in Ihrer eigenen Lehre?

Ich kombiniere die unmittelbare Vorlesung mit bereitgestellten digitalisierten Materialien und Foren, in denen Studierende Teilaspekte aufarbeiten, die wir dann in der Gesamtveranstaltung diskutieren. Ich greife also vorhandene Anwendungen auf und baue sie in meine Lernarrangements ein. In anderen Veranstaltungen nutzen wir digitale Aufnahmeverfahren, um Lehren und Lernen anzureichern. Ich beschäftige mich auch mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Mediennutzung oder des Medieneinsatzes in der beruflichen beziehungsweise akademischen Bildung.

 

5) Welche Webanwendungen haben es Ihnen angetan, wenn Sie privat im Netz unterwegs sind?

Ich bin immer noch von enzyklopädischen Portalen im Internet begeistert. Dadurch kann ich jederzeit Informationen recherchieren und nutzen, wenn mir eine Frage durch den Kopf schwirrt. Menschen tragen zu diesen Portalen von vielen Orten zum gleichen Thema bei und können so gemeinsam lernen. Wikipedia liefert hier weiterhin den umfangreichsten Bestand. Interessant ist, dass deren Artikel offenbar vermehrt automatisch entstehen und weiterentwickelt werden. Spannend finde ich insbesondere spezialisierte Enzyklopädien, die sich zum Beispiel mit „exotischen“ Themen wie dem Vorkommen und Wanderverhalten von Schmetterlingsarten befassen.

Vielen Dank, Professor Gidion, für das Interview!