Digital People Folge 13: Prof. Dr. Ute Schepers

Prof. Dr. Ute Schepers leitet am Institut für Funktionelle Grenzflächen (IFG) die Gruppe Chemische Biologie. Zudem ist sie Mitgründerin des Startups vasQlab.

1. Forschungsdaten in experimentellen Laboren zu digitalisieren ist sehr aufwändig. Warum ist es dennoch wichtig? Welche Chancen ergeben sich dadurch für die Forschung?

In den letzten Jahrzehnten haben wir unsere Forschungsdaten auf Papier abgelegt. Diese wandern dann in ein Archiv und in dem Archiv verstauben sie. Sie werden der Welt also nicht zugänglich gemacht. Positive wie negative Daten sind aber wichtig, um daraus Erkenntnisgewinn zu ziehen und aus den Fehlern der vergangenen Jahre zu lernen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir die Forschungsdaten allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Verfügung stellen. Nur gemeinsam können wir Innovation und Forschung vorantreiben.

2. Forschung 2030: Welche Potenziale und Herausforderungen sehen Sie in Ihrem Fachgebiet durch die Digitalisierung? Was ist für das Gelingen notwendig?

Es ist immer schwierig, weit in die Zukunft zu schauen, da die Forschung sehr dynamisch ist und sich immer den neusten Begebenheiten anpasst. Man sieht das zum Beispiel sehr schön an der Covid-Pandemie, bei der man sehr schnell reagieren musste. Das wird es natürlich in den nächsten Jahren auch geben. Aber die Digitalisierung wird natürlich auch Freiräume für Wissenschaftler schaffen, sehr schnell auf neue Sprunginnovationen zu reagieren und so die Wissenschaft weiter vorantreiben. Das sieht man auch sehr schön daran, dass wir zum Beispiel das humane Genom um die Jahrtausendwende sequenziert haben. Das haben Forschende weltweit in kleinster Arbeit gemacht und seitdem können wir alle auf diese Daten zugreifen. Das hat einen riesigen Boost gegeben in Richtung der Krankheitsforschung, der Forschung von neuen Wirkstoffen und vielem mehr, weil man jetzt auf diese Daten zurückgreifen kann. Das wird natürlich in 2030 noch viel verstärkter sein, weil man dann mit der gesamten Wissenschaft kooperieren kann und ein schneller Wissenstransfer möglich ist.

3. Im Projekt DORA4KIT entsteht in Zusammenarbeit mit dem ZML ein digitales Sensibilisierungs- und Lernangebot für Studierende in Bezug auf Forschungsdatenmanagement. Was sind die konkreten Ziele des Projekts?

Als konkretes Ziel wollen wir die Studierenden schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt an das Forschungsdatenmanagement heranbringen, sie sensibilisieren, die Daten ordentlich abzulegen und die Datenakquise nach der guten wissenschaftlichen Praxis zu betreiben. Wir sehen immer, je älter man wird und je weiter man in der Wissenschaft vorankommt, desto schwieriger wird es neue Digitalisierungsmaßnahmen durchzusetzen. Vor allem wenn kein großer Bedarf besteht. Man hört immer noch „wir habe doch Kreide“ und „wir haben doch unser Papierheft“. Bis das in den älteren Jahrgängen umgesetzt ist, dauert es sehr viel länger und deshalb wollen wir die Studierenden zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt dort heranbringen.

4. Welche Anwendungen gibt es bereits am KIT für das Management von digitalen Forschungsdaten?

Es gibt schon sehr viele Anwendungen hier am KIT. Wir haben in verschiedenen Fakultäten bereits einige unterschiedliche Möglichkeiten, ein elektronisches Laborbuch zu betreiben. Sehr weit vorangeschritten ist da zum Beispiel das Chemotion ELN, wir haben das KADI4MAT bei den Materialwissenschaftlern und wir haben in der Physik schon erste Ansätze in diesem Feld voranzukommen. Mithilfe der elektronischen Notebooks ist es einfach, Daten in Repositorien zu transferieren und sie dann in einem Open-Access-Format der Wissenschaftswelt zur Verfügung zu stellen.

5. Zum Schluss noch eine „persönliche“ Frage zur Digitalisierung Ihres Alltags: Welche Webanwendungen finden Sie bereichernd, wenn Sie im Netz – beruflich oder privat – unterwegs sind?

Da fällt mir jetzt nicht direkt eine Webanwendung ein, aber ich hatte als allererstes im Sinn, dass die Automatisierung und Digitalisierung im Auto mir natürlich sehr gut gefallen. Es wird sehr viel entspannender ein Auto über längere Strecken zu fahren, weil sehr viel Digitalisierung in den Autos steckt. Das ist so meine tägliche Freude, wenn ich in mein Auto steige.