Folge 25: Prof Dr. Kora Kristof

Professorin Dr. Kora Kristof übernahm zum 1. März 2023 die Funktion der Vizepräsidentin für Digitalisierung und Nachhaltigkeit am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Parallel dazu bekleidet sie die Position der Chief Information Officer (CIO) am KIT. Seit 2026 ist sie zudem als kommissarische wissenschaftliche Leiterin des ZML tätig.

Künstliche Intelligenz (KI) verändert alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Wie begegnet Ihr Ressort am KIT der Herausforderung, KI-Kompetenzen – also sogenannte KI Literacy – bei Forschenden, Mitarbeitenden und Studierenden nachhaltig zu fördern und das KIT insgesamt fit zu machen für KI?

Die Grundidee ist: Wir sollten KI deutlich voranbringen und forciert nutzen – verantwortlich und nachhaltig.

Generell haben die Menschen sehr unterschiedliche Haltungen und Kenntnisstände und Kompetenzen zu KI. Das wäre an sich noch nichts Neues und trifft auf viele Technologien zu, die man der Digitalisierung zurechnen kann. Es ist auch nicht neu, dass man neuen Technologien gegenüber mehr oder weniger offen gegenübersteht und manche die Nutzung eher suchen und andere eher vermeiden. Allerdings glaube ich schon, dass die Wucht und die Dynamik, mit der KI unseren Alltag beeinflusst, hier eine neue Qualität bringt, mit der man erst einmal umgehen lernen muss und für die es gute und sich dynamisch weiterentwickelnde Angebote zum Erwerb von KI-Kompetenzen braucht.

Es ist für mich kein Selbstläufer, dass die positiven Aspekte der KI-Nutzung automatisch überwiegen werden. Ich bin aber überzeugt, dass es möglich ist, sehr weitgehend am KIT darauf einwirken zu können, dass wir uns hierbei gemeinsam in eine gute Richtung bewegen. Als Universität und Forschungszentrum sehe ich es als unsere Aufgabe und Kompetenz, uns zu positionieren und in den Diskurs einzubringen, was wir gesellschaftlich unter „gut“ verstehen wollen. Dazu müssen wir die Menschen am KIT in die Lage versetzen, hierzu sprechfähig zu werden, die notwendigen Kompetenzen dazu zu erwerben und das Thema zu „ihrem Thema“ zu machen. Und wir müssen den Menschen in der Wissenschaft, die sich seit vielen Jahren schon intensiv mit dem Thema KI beschäftigt haben, zuhören. Das gelingt zum einen durch die praktische Anwendung und Auseinandersetzung, aber es braucht insbesondere auch geeignete und spezifische Schulungen zu KI für alle genannten Gruppen.

Junge Frau in dunkler Jacke mit Holzverkleidung im Hintergrund, Gesicht unkenntlich gemacht. Markus Breig

Im Ressort Digitalisierung und Nachhaltigkeit (DN) haben wir Einheiten wie das ZML oder die BIB, die genau an solchen Schulungsinhalten arbeiten – auch im Rahmen des Projekts „Innovationsraum für generative KI am KIT – GenAI∂KIT-Projekts“ . Auch außerhalb des Ressorts gibt es weitere wie das HOC, die PEBA, die FTU oder auch einige wissenschaftliche Institute wie das ITZ, um nur eines zu nennen, die ihrerseits Schulungsinhalte zu KI erstellen. Es geht darum, dieses Portfolio sehr gezielt und abgestimmt weiterzuentwickeln und dabei die Bedürfnisse der Menschen und des KIT gleichermaßen im Blick zu behalten. Darüber hinaus haben wir das SCC, wo unsere KI-Toolbox betrieben und ausgebaut wird, um allen die technische Nutzung zu ermöglichen. Im Ressort ist zudem das DO, das unsere Digitalisierungs-Governance betreut, die auch als „Marktplatz“ für das Aushandeln von Zielen und Maßnahmen zur Nutzung von KI sowie für die Weiterentwicklung unserer KI-Strategie dient. Und wir haben im Ressort den Informationssicherheitsbeauftragten (ISB) und die Datenschutzbeauftragte sowie die Stabsstelle Datenschutz (DSB); auch RECHT aus dem Ressort Finanzen, Personal und Infrastruktur unterstützt, um die Sicherheit und Compliance zu gesetzlicher Regulierung gewährleisten zu können.

Es braucht am Ende also nicht nur das Ressort DN, sondern alle, um die Vorteile von KI optimal für das KIT nutzen und die Risiken minimieren zu können. Das KIT ist mit den genannten Strukturen am KIT bereits sehr gut aufgestellt.

Twin-Transformation bezeichnet die Verbindung von digitalem Wandel und ökologischer Nachhaltigkeit – wie gelingt es dem KIT, diese beiden großen Bereiche sinnvoll zusammenzudenken und interdisziplinär voranzubringen?

Wir haben am KIT bereits viele Menschen und entsprechende Kompetenzen im Gepäck, die sich schon lange und intensiv wissenschaftlich mit vielen für die Twin-Transformation relevanten Aspekten beschäftigen, um z. B. digitale Systeme energieeffizienter und nachhaltiger zu machen, Nachhaltigkeitsziele mit Hilfe von Digitalisierung erreichen zu können oder Forschung zu Nachhaltigkeit mit digitalen Methoden zu erweitern und damit neue Lösungsräume zu eröffnen. Auch in der Administration und Infrastruktur sehen wir uns zunehmend Herausforderungen gegenüber, was bspw. Einsparziele im Energieverbrauch oder im Flächenmanagement angeht. Neu sind die Themen oftmals nicht, aber zusätzlicher Mehrwert entsteht, wenn die digitale und die Nachhaltigkeitstransformation verbunden betrachtet und gestaltet werden. Ich sehe darin für das KIT einerseits eine Chance, sich in der Forschung mit dem Thema Twin-Transformation zu profilieren, aber andererseits auch als Institution unsere eigenen Transformationsprozesse zielgerichteter zu meistern.

Damit sind wir nicht allein. In der Evaluation zur Exzellenzstrategie haben uns die Gutachtenden kürzlich bestätigt, dass wir auf Grundlage unserer umfangreichen Aktivitäten zu Nachhaltigkeit gute Voraussetzungen hätten, um deutschlandweit eine Führungsrolle einzunehmen – und in diesem Kontext hatten wir auch über die Twin-Transformation gesprochen. Dass dieses Thema wichtig ist und das von Anderen so gesehen wird, zeigt die Uni Hamburg, die ihren Exzellenzstatus ebenfalls im März bestätigt bekommen hat und sehr deutlich ihre strategische Ausrichtung mit der Twin-Transformation verbunden hat und die Gutachtenden damit überzeugen konnte. Um uns selbst schnell voranzubringen, haben wir im letzten Jahr das Schnittstellenprojekt Digitalisierung und Nachhaltigkeit gestartet, quasi als kleine Schwester des Basisprojekts Nachhaltigkeit, wo wir genau nach den richtigen Ansatzpunkten suchen, um Chancen und Stärken der Twin-Transformation am KIT herauszuarbeiten.

Nach etwa der Hälfte Ihrer Amtszeit als Vizepräsidentin am KIT: Auf welche Erfolge sind Sie besonders stolz? Welche Schwerpunkte setzen Sie sich für die nächsten drei Jahre, um den Transformationsprozess am KIT weiter voranzubringen?

Am KIT wurde auch schon vor Beginn meiner Amtszeit viel und viel Gutes, zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit getan, geforscht und gelehrt. Mir ging es von Anfang an darum, genau da anzusetzen, darauf aufzubauen und die Menschen mit ihrem Engagement und ihren Zielen einzubinden, um für die beiden Querschnittsthemen und für das KIT gemeinsam noch mehr zu erreichen. Mich hat sehr beeindruckt, mit wie viel Kompetenz, Ideen und auch persönlichem Herzblut die vielen Kolleginnen und Kollegen bspw. ins Basisprojekt Nachhaltigkeit miteingestiegen sind. Meine Aufgabe sehe ich daher auch viel weniger darin, Überzeugungsarbeit für mehr Nachhaltigkeit oder Digitalisierung zu leisten, sondern die richtigen Themen am KIT zu identifizieren, zu priorisieren und gemeinsamen Lösungen zuzuführen, die dann auch gemeinsam getragen werden. Denn ein wesentlicher Punkt ist: Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind Querschnittsthemen im KIT, das heißt Lösungen können nur gemeinsam mit den anderen jeweils beteiligten Ressorts und den Bereichen erarbeitet werden. In der ersten Hälfte meiner Amtszeit habe ich hierfür Strukturen aufgebaut. Wir haben gemeinsam sowohl in den Kernaufgaben als auch in Verwaltung und Infrastruktur sehr viele Anknüpfungspunkte für Verbesserungen und neue Ziele in den beiden Querschnittsthemen identifiziert. In der zweiten Hälfte der Amtszeit wird der Schwerpunkt darauf liegen, das zu konsolidieren, beschleunigt voranzubringen und in die Praxis umzusetzen oder, wie ich es auch gerne bezeichne, deutlich mehr Impact zu erzeugen. Die Menschen wollen und sollen Veränderungen dann auch erleben und sich über den gemeinsamen Erfolg freuen. In Digitalisierung und Nachhaltigkeit haben wir da bereits viel erreicht und werden noch viel erreichen. Für die Twin-Transformation ist es ein spannender Weg, sie gemeinsam noch stärker am KIT in den Blick zu nehmen und zu einer Erfolgsstory machen.

Welchen Rat wollen Sie an die nächste Generation von Forschenden und Studierenden weitergeben, die sich für Digitalisierung und Nachhaltigkeit engagieren?

Mir persönlich war und ist immer wichtig, das, was ich tue, mit Überzeugung und Freude zu tun und die notwendigen Transformationen aktiv mitzugestalten und gesellschaftlichen Impact zu erzeugen. Für den Erfolg einer Universität und Großforschungseinrichtung kommt es darauf an, Menschen zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, in ihrem Wirken als Forschende, Lehrende und Studierende exzellent zu sein und zugleich Impact zu erzielen. Damit meine ich die Fähigkeit unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie unserer Absolventinnen und Absolventen, mit dem, was sie tun, einen Unterschied in der Welt zu machen.

Mein Ziel ist es, dass alle, die am KIT arbeiten oder studieren, ein solides allgemeines und fachspezifisches Wissen über Digitalisierung, Nachhaltigkeit und deren Wechselwirkungen entwickeln und vertiefen können. Dieses Wissen soll sie dazu befähigen, systemisch zu denken, Veränderungsprozesse erfolgreich zu gestalten und Lösungen für die spannenden Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln – und damit Impact zu erzeugen. Kurz gesagt: Es geht darum, das neue Leitbild des KIT „Science for Impact“ gemeinsam erfolgreich mit Leben zu füllen.

Seit 2026 übernehmen Sie die kommissarische wissenschaftliche Leitung des ZML. Welche Impulse möchten Sie dem ZML als Interimsleitung mitgeben?

Starten möchte ich mit einem herzlichen Dank an die Kolleginnen und Kollegen des ZML für die engagierte und zukunftsweisende Arbeit als eine Zentrale wissenschaftliche Einheit (ZwE) des KIT. Das ZML verbindet spannende Forschung mit praxisnaher Lehre und bietet breite wissenschaftsunterstützende Services sowie medientechnische Angebote für Lehrende und Studierende. Angebote für den Transfer über media:impact ergänzen das spannende Portfolio.

Wir haben einen spannenden Austausch zur Ausrichtung und weitere Entwicklung des ZML gestartet, auf dessen Fortführung ist mich sehr freue.

(NL 01/2026)